Ikebana: Hintergrund und Philosophie

Ikebana ist die japanische Kunst des Blumenarrangierens. Es ist mehr als Dekoration, es ist ein Weg zur Ganzheit.

Ike (Leben) und Bana (Blume) bedeutet "Blumen zum Leben erwecken". Durch Naturbetrachtung und Meditation soll der Mensch zu tiefer Einsicht in das Sein gelangen, zur Erkenntnis seiner eigenenVergänglichkeit und der ewigen Beständigkeit der Natur. Im Ikebana, dem meditativen Umgang mit Blumen, Holz, Steinen und Wasser übt er diesen inneren Weg.

Ikebana entstand im 6. Jh. in Japan und wurde im 20. Jh. mit grossem Interesse in der westlichen Welt aufgenommen. Es wurde bei uns zu einem Element erlesener Wohnkultur. Aber auch der philosophische Gehalt hat viele Anhänger gefunden.

Zuerst war Ikebana ein Blumenopfer für Buddha, eine Tempelgabe. Dann wurde es weiter entwickelt zu einer Kunst, die sich über lange Jahrhunderte strengen Regeln unterwarf. Seit dem 18. Jahrhundert entstanden dann viele neue Stilrichtungen. Die Grundzüge jedoch sind bis heute lebendig: Die Wiedergabe der Natur im Kleinen, die Spiegelung der Jahreszeiten, des Wandels, die Asymmetrie und der Einbezug des unbesetzten, leeren Raumes als zentrales Element.

Ikebana ist Anmut und Schönheit, aber auch kreative Spannung. Es verbindet Fülle und Leere, menschlichen Harmoniewunsch und eigenwillige Naturform.

Seit dem 18. Jh. gibt es auch Ikebana-Meisterinnen, zuvor war Ikebana eine Kunst des Mannes. Die einzelnen Ikebana Schulen werden nach ihrem Gründer benannt und vertreten bestimmte Schwerpunkte - traditionell/klassisch, sehr natürlich oder sehr modern-eigenwillig. Einige moderne Schulen verwenden auch trockene und nicht florale Materialien, die sie zu Skulpturen zusammenfügen.